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Jahresbericht 2020

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Der Jahresbericht des Tourismusverbandes Ostbayern e.V. für das Jahr 2020.

INNENMARKETING 4) Eine

INNENMARKETING 4) Eine Rückkehr ist möglich 1848 wurde der letzte Luchs bei Zwiesel erlegt, seitdem galt die Art im Bayerischen Wald als ausgestorben. In den Jahren zwischen 1982 und 1989 wurden auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks Šumava 18 Karpatenluchse freigelassen – mit Erfolg. Nachdem sich die Population zunächst ausgebreitet hat, stagnierte die Anzahl der Tiere seit Anfang der 2000er Jahre. Forschungen ergaben, dass es außerhalb des Schutzgebietes immer wieder zu illegalen Luchstötungen kam. Dies führte zur Stagnation. Seit der öffentlichen Debatte sind die Akzeptanz und damit auch die Zahl der Tiere angewachsen. Gleiches gilt für den Habichtskauz.[…] Wo Luchs und Habichtskauz Hilfe brauchten, haben es Wolf sowie die Urwald reliktkäfer, wie Zottenbock und Rauer Flachkäfer, selbst geschafft. Sie sind auf natürliche Weise zurückgekehrt. Ein Habichtskauz im Nationalpark Bayerischer Wald (Foto: Michael Pscheidl) 5) Borkenkäferbekämpfung kann auch naturschonend sein Auf über 70 Prozent der Fläche darf sich im Nationalpark Bayerischer Wald die Natur nach ihren ureigensten Gesetzen ent wickeln. In den Randzonen jedoch wird zum Schutz der angrenzenden Wälder dauerhaft Borkenkäferbekämpfung betrieben. Dass es hier naturschonende Möglichkeiten gibt, konnte im Rahmen von Forschungen gezeigt werden. […] Der Nationalpark hat eine neue Technik entwickelt, die hilft, den Buchdrucker in Schach zu halten, aber die anderen Nutzer von Totholz weniger zu beeinträchtigen: Das Schlitzen der Baumstämme. Dabei wird nur ein Teil der Rinde, und somit des Biomaterials, entfernt. Der Rest bleibt als Lebensraum und Nahrung für viele Arten im Wald. 6) Mehr Besucher erfordern neue Wege beim Management Die Zahl der Besucher im Nationalpark Bayerischer Wald nimmt seit einiger Zeit zu, derzeit kommen rund 1,3 Millionen Menschen jährlich in das Schutzgebiet. Für rund 58 Prozent der Erholungs suchenden spielt der Nationalpark eine große oder sehr große Rolle für ihren Besuch in der Region. Die steigende Erholungsnutzung und die daraus resultierenden Konflikte sowohl zwischen verschiedenen Nutzergruppen als auch mit Belangen des Natur schutzes stellen eine der zentralen Herausforderungen des Managements von Großschutzgebieten dar. Nur durch verlässliche Daten über die Eigenschaften und Wünsche von Besuchern kann ein Management durchgeführt werden, das ein Natur erlebnis ermöglicht und den Schutzzielen des Nationalparks Rechnung trägt. Durch ein grenzüberschreitendes sozio ökonomisches Monitoring wird eine fundierte Datengrundlage erarbeitet. 7) Natürliche Störungen schaden dem Trinkwasser nicht Während des Buchdruckerausbruchs im Lusen­Gebiet gab es Befürchtungen, dass die Trinkwassergewinnung im Nationalpark durch zu hohe Nitratbelastungen beeinträchtigt werde. Die Untersuchungen im Nationalpark zeigen, dass die Nitratwerte im Wasser nach großflächigem Borkenkäferbefall zeitverzögert kurzfristig steigen, jedoch nie auch nur annäherungs weise den Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation von 50 Mikrogramm pro Liter erreichen. […] Somit existiert auch kein Konflikt zwischen der Förderung der Biodiversität durch groß flächige natürliche Störungen wie Windwurf oder Käferbefall und der Bereitstellung von qualitativ hochwertigem Trink wasser aus dem Nationalpark. 8) Der Nationalpark dient der Regionalentwicklung Die Marke Nationalpark steht für unberührte wilde Natur, die bei den Besuchern hoch im Kurs steht und sie zum Besuch veranlasst: 58 Prozent der Besucher kommen genau aus diesem Grund in das Schutzgebiet, 98 Prozent der Urlauber im Bayerischen Wald kennen den Nationalpark. Er ist die Haupt attraktion in der Destination Bayerischer Wald und damit Zugpferd für die touristische Regionalentwicklung. Markierte Wanderwege, Besucherzentren, Museen und Tierfreigelände sind wichtige touristische Infrastruktur und damit Rückgrat für den Tourismus und die Naherholung im Bayerischen Wald. Die Gästekarte GUTi für kostenlose Mobilität mit Bus und Bahn in der Nationalpark region unterstützt nachhaltigen Tourismus und den regionalen öffentlichen Nahverkehr. Das Nationalpark­Partner­ Projekt fördert umweltund national parkfreundliche touristische Dienstleister aus den Sektoren Gast gewerbe, Mobilität und Erlebnisdienstleistung und damit nachhaltige Entwicklung in der Region. 9) Der Klimawandel ist im Nationalpark angekommen Die April­Temperaturen stiegen in 30 Jahren um knapp vier Grad an, die Bayerwald­Schneedecke muss nun meist schon drei bis vier Wochen früher kapitulieren. Dementsprechend verschieben sich die Vegetationsperiode sowie der Abfluss des Schmelzwassers und die Grundwasserneubildung nach vorn. Im späteren Jahresverlauf gibt es jedoch weniger neues Grundwasser. Dafür verantwortlich sind die höheren Sommertemperaturen, die zu einer stärkeren Wasserverdunstung der Bäume führen. Somit kann weniger Flüssigkeit im Boden versickern. Pilze, Tiere und Pflanzen reagieren unterschiedlich auf diese Entwicklung. Einige Vögel und Insekten bevölkern nun auch Höhenlagen, in denen sie bisher nicht angetroffen wurden. Arten, die sich auf die Gipfelbereiche spezialisiert haben – wie Bergglasschnecke, Siebenstern oder Ringdrossel – laufen hingegen Gefahr, im Bayerwald zu verschwinden. 10) Wälder mit viel Totholz sind keine Kohlenstoffdioxid-Schleudern Der Anblick stehenden und liegenden Totholzes hat in jüngerer Zeit die Frage provoziert, ob „Natur Natur sein lassen“ nicht negative Auswirkungen auf unser Klima erzeugen könnte. Schließlich verrottet dieses Holz vor Ort und gibt dabei Kohlenstoffdioxid (CO 2 ) in die Atmosphäre ab, während dem Nutzholz eine längere Lebensdauer zugeschrieben wird. Letzteres ist jedoch eine falsche Annahme: Das genutzte Holz wird im Mittel schneller verbrannt als das im Wald verbliebene Holz verrottet. Wissenschaftliche Untersuchungen in Nutz­ und Naturschutzwäldern, international und im Nationalpark, haben zudem gezeigt, dass sich Borkenkäfer und Sturmwurf kaum von der Holz ernte als Störung des Ökosystems unterscheiden. (Quelle: Presseinformation Nationalpark Bayerischer Wald, 2020) Totholz im Frühlingswald (Foto: Rainer Simonis) 36

AUS DEM VERBANDSGESCHEHEN AUS DEM VERBANDSGESCHEHEN JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG AM 14. SEPTEMBER 2020 IN BAD FÜSSING Wechsel im Präsidium des Tourismusverbandes Ostbayern Landrätin Rita Röhrl aus dem Landkreis Regen ist die neue Präsidentin des Tourismusverbandes Ostbayern (TVO). Stellvertretender Präsident ist Landrat Thomas Ebeling aus dem Landkreis Schwandorf. Im Rahmen der Jahrestagung des Tourismusverbandes Ostbayern in Bad Füssing ist ein neues Präsidium gewählt worden. Die beiden bisherigen Präsidenten, Landrat Josef Laumer, Straubing­Bogen, und Landrat Franz Löffler, Cham, scheiden aus dem Präsidium aus. Beide vertraten den Bayerischen Landkreistag. Als Vertreter für den Bayerischen Städtetag folgt Bürgermeister Karlheinz Budnik, Windischeschenbach, dem scheidenden Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Weiden. Für den Bayerischen Gemeindetag übernimmt Bürgermeister Tobias Kurz das Amt des ausscheidenden Bürgermeisters Alois Brundobler, beide Bad Füssing. Dem Bürgermeister Rupert Troppmann, Neustadt an der Waldnaab, folgt Bürgermeister Toni Dutz, Wiesau. Landrätin Rita Röhrl und Landrat Josef Laumer Tourismus lebt von Übernachtungsgästen In ihrer Antrittsrede sprach Röhrl über die aktuelle touristische Situation. Bei den Ankünften liege man kumuliert bis Ende Juli immer noch 45,4 %, bei den Übernachtungen 41,6 % unter dem Vorj ahresniveau. „Die Zahlen liegen zwar über dem bayerischen Durchschnitt, aber die Bäder und Städte sind nach wie vor die Schlusslichter im Tourismus“, sagt Röhrl, „Wir müssen alles tun, um eine zweite Welle zu verhindern. Gerade unsere vielen familiengeführten Betriebe stehen mit ihrer ganzen Existenz im Feuer.“ Obwohl der Tagestourismus boome, so leben die Betriebe doch von den Übernachtungs touristen und brauchen Einkünfte für Personal und Investitionen. Röhrl bittet Politiker und Abgeordneten, den Tourismus angemessen zu unterstützen. Als positiven Effekt könne man der Krise abgewinnen, dass sich der Trend zum Naturtourismus verstärkt habe, der ein Kern thema im ostbayerischen Tourismus sei. Auch der Trend zur Digitalisierung im Tourismus sei in Ostbayern ein wichtiges Thema. Dies sei wichtiger denn je, denn gerade die Onlinebuchbarkeit sei überhaupt die Voraussetzung, nahtlos im Netz gebucht zu werden. „Wir sind dankbar dafür, dass wir weit voran sind und immer schon den Qualitätsweg eingeschlagen haben. Diesen wollen wir weitergehen“, so Röhrl. Grußworte In den Grußworten thematisiert Bürgermeister Tobias Kurz, Bad Füssing, die freiwilligen Leistungen im Haushaltsrecht der Kommunen: „Hier muss ein Umdenken stattfinden. Denn der Kurbetrieb mit seiner gesamten Infrastruktur, wie Kurpark, Kurorchester und vieles mehr, was ein Thermalbad leistet, kann nicht als freiwillige Leistung gesehen werden.“ Landrat Raimund Kneidinger, Passauer Land, fügt in die gleiche Richtung an, dass Tourismus eine der wichtigsten wirtschaftlichen Säulen im Landkreis sei: „Ich bitte Sie, der negativen Grundstimmung entgegenzuwirken. Zeigen Sie auf, was auch in Coronazeiten möglich ist. Das ist sehr viel mehr, als was nicht möglich ist.“ Touristische Bilanz Der ausscheidende Präsident Landrat Josef Laumer zieht eine touristische Bilanz: „2019 war für Ostbayern das neunte Wachstumsjahr in Folge: 5.526.633 Gäste verbrachten ihren Urlaub in Nieder bayern oder der Oberpfalz. Der Zuwachs von 2,7 % bedeutet, dass 145.139 mehr Gäste als im Vorjahr anreisten. 17.760.380 Gäste übernachtungen ergaben sich daraus, was einer viertel Million mehr Übernachtungen als im Vorjahr und einem Plus von 1,4 % entspricht. Massen­ oder gar Overtourism aber liegen uns fern. Wir steuern weiter einen nachhaltigen und sozialverantwortlichen Tourismus in der Fläche an, bei dem sich nach und nach die Wertschöpfung für den einzelnen Betrieb erhöht. Dass dies inzwischen immer besser gelingt, zeigt die Auslastung der Betriebe: Hatten wir beispielsweise im Jahr 2009 in Ostbayern noch eine durchschnittliche Auslastung von 32,1 %, liegen wir im Jahr 2019 bei 41,6 %.“ 37